Übersäuerung beim Pferd – was ist das und was kann ich tun?

Sabine möchte wissen, woran man erkennt, dass ein Pferd übersäuert ist.

Von Übersäuerung (auch „Azidose“) sprechen wir dann, wenn der Säure-Basen-Haushalt des Pferdes aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Was zunächst eher harmlos klingt (und auch von vielen als Hirngespinst abgetan wird), kann zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Hufrehe oder Kreuzverschlag führen. Auch die Entstehung von PPID (ehemals Cushing) und neuerdings auch EOTRH werden mit Gewebeübersäuerungen in Verbindung gebracht. Aber woran erkenne ich nun, dass mein Pferd übersäuert ist? Die Symptome sind hier tatsächlich vielfältig und oft unspezifisch. Auffallend sind häufig Einlagerungen an Hals, Schulter und Kruppe, die nicht selten mit Fetteinlagerungen verwechselt werden. Besitzer entsprechender Pferde sind oft total überrascht, wie viel „schlanker“ ihr Pferd bereits nach wenigen Tagen Entsäuerung wirkt.

Oft zeigen übersäuerte Pferde Muskelverspannungen, Schwierigkeiten beim Muskelaufbau, unklare Lahmheiten, Leistungsabfall, wiederkehrende Bänder- und Sehnenproblematiken. Aber auch Futterverweigerung und Aufstoßen bis hin zu Koliken, sowie Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Mauke oder allergische Atemwegsreaktionen können auf eine Übersäuerung hinweisen. Ihr denkt jetzt sicher: ok. Dann ist ja locker jedes zweite Pferd übersäuert. Ja. So ist es. Wichtig ist, dass die oben genannten Symptome natürlich nicht zwangsläufig auf eine Übersäuerung hindeuten MÜSSEN, aber eben KÖNNEN.

Und warum so viele Pferde übersäuert sind? 1. weil ein Großteil der Pferde schlicht zu wenig bewegt wird und so der Stoffwechsel runter fährt. 2. weil viel zu viele Pferde mit stärke- und zuckerhaltigen Futtermitteln überfüttert werden, wodurch die Entgiftungsorgane permanent am Limit sind. Damit meine ich nicht, dass jetzt jedes Pferd getreidefrei ernährt werden muss. Nur leider ist Überfütterung heutzutage ein riesiges Problem, das zu weitgreifenden gesundheitlichen Schäden führen kann. Aber ich schweife ab!

Wie kann ich nun aber feststellen, ob mein Pferd übersäuert ist? Meines Wissens nach wird der Test auf Gewebeübersäuerung aktuell nur von der Firma Sension angeboten. Das Testset könnt ihr entspannt über die Website bestellen. Eingeschickt wird hier Urin, den ihr am besten in einem sauberen großen Glas auffangt und dann eine Probe ins Teströhrchen gebt. Das Team von Sension ist übrigens wahnsinnig nett und beantwortet euch sicher auch Fragen zum Testergebnis. ⠀⠀

So. Und jetzt hat euer Pferd so ne blöde Übersäuerung. Und nun? Zunächst helfen hier so genannte Säure-Basen-Präparate, die es in Pulverform oder auch flüssig als Basenkonzentrate zu kaufen gibt. Auch die Entgiftungsorgane (Leber, Niere, Darm) sollte man bei der Behandlung mit therapieren. Viel wichtiger ist aber wie immer: die Ursache für die Übersäuerung abstellen! Wir erinnern uns, die Hauptursachen liegen aus meiner Sicht in Bewegungsmangel und Überfütterung.

Also: 1. für ausreichend Bewegung sorgen 2. mögliche Stressfaktoren identifizieren und wenn möglich eliminieren 3. Fütterung überprüfen und ggf. anpassen. Das heißt: für eine ausreichende Menge Raufutter sorgen, eine bedarfsgerechte Mineralisierung wählen, säurehaltige Futtermittel wie Heulage vermeiden UND bunte Einhornmüslis und Erdbeer-Glitzer-Kekse weglassen. Das Ganze ist hier stark heruntergebrochen.

Ich rate in so einem Fall definitiv dazu, die Hilfe von einem Futterberater oder Tierheilpraktiker zu beanspruchen.⠀

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